Jobwechsel: ja oder nein? 12 Tipps für eine Entscheidung ohne Reue

Jobwechsel

Jobwechsel. Ja oder nein?

Lohnt sich das Risiko? Bekommst du durch einen Jobwechsel wirklich interessantere Aufgaben, mehr Chancen, ein besseres Arbeitsklima, mehr Geld … oder was immer du dir von einem anderen Job wünschst?

Oder ist es besser zu bleiben, wo du bist? Weil es hier eigentlich doch ganz gut ist, weil du weißt, wie der Hase läuft, weil sich hier vielleicht doch bald was zum Besseren wenden könnte?

Schwierige Entscheidung. Denn du weißt nicht, was wird. Egal, wie du dich entscheidest.

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Wie kannst du dennoch eine gute Entscheidung treffen? Eine Entscheidung, die du nicht zu bereuen brauchst?

Mit diesen 12 Tipps gelingt dir genau das.

Denn mit diesen Tipps triffst du eine wohlüberlegte Entscheidung. Eine Entscheidung, die Herz und Kopf zusammenbringt. Eine Entscheidung, die du nicht zu bereuen brauchst, weil du alles Wichtige berücksichtigt hast.

Klär deine Entscheidungsoptionen

Eins ist noch wichtig:

Sei dir klar über deine Entscheidungsoptionen. Dann weißt du, worum es geht, und kannst leichter entscheiden.

Die Optionen könnten z. B. sein:

  • Ich lasse alles, wie es ist.
  • Ich suche mir innerhalb des Unternehmens eine neue Stelle.
  • Ich suche in einem anderen Unternehmen nach einer neuen Stelle.
  • Ich mache mich selbstständig.

Welche Möglichkeiten hast du? Notier dir deine Entscheidungsmöglichkeiten. So hast du einen Überblick. Bestimmt fallen dir noch mehr Möglichkeiten als in dem Beispiel ein. Die schreibst du dann dazu und kannst keine deiner Ideen verlieren.

Lies dir alle Tipps einmal durch und entscheide dich dann, mit welchem Tipp du startest. Leg dir Papier und Stift bereit, sodass du deine Gedanken und Ideen notieren kannst. Denn ganz sicher fällt dir beim Lesen noch was Wichtiges ein.

Tipp 1: Entscheide entspannt, denn du kannst keine falsche Entscheidung treffen

Hast du Angst, einen Fehler zu machen? Dich falsch zu entscheiden? Die gute Nachricht ist: Du kannst keine falsche Entscheidung treffen. Denn „richtig“ oder „falsch“ sind ungeeignete Kategorien, wenn es um deine Entscheidung geht.

Warum ist das so?

Niemals kannst du sagen, wie sich die Situation entwickelt hätte, wenn du dich anders entschieden hättest. Deswegen gibt es kein „falsch“ und kein „richtig“, wenn es um Entscheidungen geht.

Entspannt entscheiden – wie geht das? 

Führ dir vor Augen, dass alle Entscheidungsoptionen das Potential zu einer richtig guten Entscheidung haben.

Bleibst du im Unternehmen, gibt es viele Möglichkeiten, etwas an deiner Arbeitszufriedenheit zu verbessern.

Machst du den Jobwechsel, gibt auch diese Entscheidung dir die Möglichkeit für einen richtig guten Weg.

Ich möchte dir Mut machen: Triff deine wohlüberlegte Entscheidung. Hör auf dein Herz und auf deinen Verstand. Entscheide dich und dann tu alles dafür, dass diese Entscheidung zu einer guten Entscheidung wird. Weil du nämlich das Beste aus ihr machen kannst.

(Lerne wie du die Entscheidung triffst, die wirklich zu dir passt, klick hier.)

Tipp 2: Tapp nicht in die Falle, keine Entscheidung zu fällen. Entscheide bewusst 

Mach nicht den Fehler, keine Entscheidung über deinen Jobwechsel zu fällen. Klar, ist es manchmal leichter, sich nicht zu entscheiden. Die Tage ihren Lauf nehmen zu lassen. Aber es bringt dich nicht weiter und die ungeklärte Entscheidungssituation quält dich. Sie quält dich wie ein kleiner Stein in deinem Schuh. Erst mal gar nicht so schlimm. Aber auf Dauer kann es die Hölle sein.

Deswegen entscheide bewusst, ob du den Jobwechsel angehen möchtest oder ob du es (jetzt erst mal) so belässt, wie es ist.

Doch wie machst du das nun?

Um eine bewusste Entscheidung zu treffen, musst du dir erst mal Klarheit verschaffen.

Klarheit gewinnst du, wenn du dir die Konsequenzen für zwei verschiedene Szenarien vor Augen führst:

  1. Szenario: die bestmögliche Entwicklung, wenn du alles so lässt, wie es gerade ist.
  2. Szenario: die schlimmstmögliche Entwicklung, wenn du alles so lässt, wie es gerade ist.

Mit diesen beiden Szenarien kannst du gut abschätzen, ob du in deinem Job bleiben solltest oder ob ein Jobwechsel angeraten ist.

Bewusst entscheiden – wie geht das?

Nimm dir ein bisschen ungestörte Zeit. Vielleicht eine halbe Stunde. Wenn du magst, nimm dir etwas zu schreiben. Denn wenn wir unsere Gedanken aufschreiben, fällt es uns zum einen leichter, bei der Sache zu bleiben. Außerdem hast du deine Erkenntnisse schwarz auf weiß und kannst sie nicht wieder verlieren.

Szenario 1: bestmögliche Entwicklung

Setz dich hin und stell dir nun bewusst deine derzeitige berufliche Situation vor. Versuche sie wie in einem inneren Film vor deinem inneren Auge ablaufen zu lassen. Lass diesen Film nun weiterlaufen.

Wie würde deine berufliche Situation sich weiterentwickeln, wenn du nichts ändern würdest und sich die Situation bestmöglich entwickeln würde? Wie würde dein Arbeitsalltag auf Dauer aussehen? Wie wäre das Miteinander an deinem Arbeitsplatz? Welche positiven Entwicklungen könnten deinen Berufsalltag verbessern?

Mach dir am besten ein paar Notizen. Wenn du den Eindruck hast, einen recht guten Einblick in ein positives Zukunftsszenario gewonnen zu haben, beende diese Übung. Steh auf, geh ein bisschen herum, mach kurz etwas anderes.

Szenario 2: negative Entwicklung

Entwickle jetzt dein zweites Zukunftsszenario. Du stellst dir wieder vor, wie die derzeitige Situation ist. Wie in einem inneren Film lässt du vor deinem inneren Auge ablaufen, wie eine negative Entwicklung für dich aussähe.

Was würde dann passieren? Wie könnte dein Arbeitsalltag in diesem Fall aussehen? Mach dir auch dazu wieder Notizen.

Steh nun wieder auf und mach kurz etwas anderes.

Sieh dir abschließend beide Szenarien an.

Frag dich: Wie wahrscheinlich sind die jeweiligen Entwicklungen? Was wäre in dem Fall einer positiven Entwicklung? Würdest du dann lieber (erst einmal) alles so belassen wollen, wie es ist? Oder ist selbst dieses Szenario so abschreckend, dass du dir wirklich etwas anderes überlegen solltest?

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Triff in jedem Fall eine bewusste Entscheidung. Auch, wenn du an der Situation nichts änderst. Wenn du dich bewusst dafür entscheidest, kann das dein Gefühl zu deiner Arbeitssituation gewaltig verändern.

Tipp 3: Dreh gedanklich den Spieß um. Was wäre, wenn du ab morgen frei wärest?

In Entscheidungssituationen hilft es, die Perspektive komplett zu wechseln. Gar nicht so leicht, wenn du im täglichen Einerlei steckst.

Einfach ist es, wenn du dir eine komplett veränderte Situation vorstellst.

Stell dir vor, dein Arbeitgeber kündigt dir und sichert dir zu, dir für ein Jahr lang dein Gehalt weiterzubezahlen. Finanzielle Sorgen hast du für die nächsten Monate also nicht.

Was würdest du machen?

Gedanklich den Spieß umdrehen – wie geht das?

Lass deine Gedanken frei laufen. Wenn du magst, kannst du eine Satzergänzungsübung machen.

Nimm dir Stift und Papier oder eine Datei in deiner Textverarbeitung. Stell dir einen Timer auf 5 Minuten. Und schreib zu einem Satzanfang alles auf, was dir dazu einfällt. Zensiere dich nicht. Schreib einfach auf. Aussortiert wird später. Kein Mensch muss erfahren, was dein Geist für wunderbare und abgedrehte Ideen produziert 😉

  • Wenn ich ab morgen nicht mehr ins Büro müsste …
  • Wenn mein Arbeitgeber mich ab morgen freistellen würde …
  • Wenn ich ab morgen nicht mehr arbeiten müsste …

Oder überleg dir einen anderen Satzanfang.

Der Trick besteht darin, dass unser Geist versucht, unabgeschlossene Sätze zu ergänzen. Das liegt am Zeigarnik-Effekt. Mit diesem beschreibt die Psychologie die Tendenz des menschlichen Bewusstseins, Dinge abschließen zu wollen. Aufgrund des Zeigarnik-Effekts produziert dein Gehirn ganz viele tolle Ideen. Die überraschendsten und manchmal auch die wertvollsten bekommen wir, wenn wir die Übung über einen längeren Zeitraum machen. Deswegen der Timer mit den 5 Minuten.

Finde heraus, auf welche Ideen dich die geschenkte Freiheit bringen würde. So bekommst du Impulse für deinen Jobwechsel. Vielleicht ist sie auf einmal da: die zündende Idee für deine Selbstständigkeit oder der Gedanke „Ich würde alles tun, um für den Arbeitgeber XYZ zu arbeiten“ oder der Lebenstraum, der nun endlich in Erfüllung gehen könnte.

Tipp 4: Hebe die Goldnuggets deines aktuellen Jobs

Welche guten Gründe gibt es für deinen Jobwechsel?

Fühlst du dich überfordert oder unterfordert? Liegt es am schlechten Betriebsklima? An den anstrengenden Kollegen? Am cholerischen Chef?

All das motiviert dich, in die Gänge zu kommen. Dich selbst ernst zu nehmen und besser für dich zu sorgen. Die Arbeit zu finden, mit der es dir gut geht und die dich weiterbringt.

Es gibt aber auch ein Problem: Das, was du an deinem Job furchtbar findest, ist wie einer der Marktschreier auf dem Hamburger Fischmarkt. Nur, dass die Stimme nicht „Frische Makrele“ schreit, sondern: „Alles Mist hier. Das ist ja nicht mehr auszuhalten.“

Dein Frust ist so laut, dass daneben gar nichts anderes mehr Platz hat. So wird jeder Arbeitstag zum Höllenritt.

Schlimm, wenn du noch eine Weile im Job aushalten musst. Und noch schlimmer, wenn du vor lauter Marktgeschrei womöglich übersiehst, dass dein Job doch besser ist, als du denkst.

Damit du dem Frust nicht völlig das Feld überlässt, gibt es einen ganz einfachen Trick.

Werde zum Goldgräber. Suche die Goldnuggets in deinem Job. Finde heraus, was an deiner derzeitigen Arbeit ganz gut ist. Was dir vielleicht sogar gefällt.

Und bevor du jetzt sagst: „Ne, da ist nichts. Totaler Quatsch.“ Es ist meist wie mit den Goldnuggets im Schlamm. Du musst etwas suchen und den Schlamm durchsieben und dann tauchen sie auf. Jedenfalls in den allermeisten Fällen. Und, falls nicht: Dann ist es wirklich allerhöchste Zeit zu gehen.

Die Goldnuggets heben – wie geht das? 

Dies ist eine der wirksamsten Übungen, die ich kenne. Sie macht, dass es dir besser geht. Und zwar immer dann, wenn du unzufrieden bist, weil du nur noch Negatives siehst. In der Partnerschaft, in der Beziehung zu dir selbst, beim Sport, bei deinem Hobby, deiner Wohnsituation, deiner Gesundheit, deinem Körper und wenn du unzufrieden im Job bist.

  • Schreibe jeden Tag drei Punkte auf, für die du bei deiner jetzigen Arbeitsstelle dankbar bist.
  • Am Anfang fällt es schwer, Positives zu finden. Fang mit ganz banalen Dingen an. Zum Beispiel: Positiv an meinem Arbeitsplatz ist: 1. dass ich ihn habe. 2. dass ich monatlich mein Gehalt bekomme. 3. dass ich im Trockenen arbeiten kann. Oder: Positiv an meinem Arbeitsplatz ist: 1. Die Routine-Aufgaben mag ich sehr gerne. 2. Mein Chef steht hinter mir, wenn es Schwierigkeiten mit Kunden gibt. 3. Ich habe es nicht weit zur Arbeit. Da bleibt mehr Freizeit und ich habe wenig Fahrstress.
  • Mach diese Übung mehrere Tage oder Wochen. So lange, bis du merkst: Da verändert sich was. Ich sehe auch im Alltag mehr Positives an meinem Arbeitsplatz.

Du denkst: Das funktioniert doch nicht. 100 % versprechen kann ich es dir nicht, dass es klappt. Aber es lohnt sich, zumindest einen Versuch zu machen. Erst dann kannst du berechtigt sagen: Das funktioniert nicht.

Tipp 5: Nimm den Druck raus. Entscheide dich für einen bestimmten Zeitraum, nichts zu unternehmen 

Steckst du im Gedankenkarussell deiner Entscheidung fest, geht es hin und her und her und hin.

Das ist anstrengend und bringt dich auch gar nicht weiter.

Ein paradoxer Weg hilft dir, klarer zu sehen: Mach eine Pause in deiner Entscheidung. Leg deinen Jobwechsel auf Eis.

Tritt auf die Bremse und entscheide dich, vorerst keine Entscheidung zu treffen.

(Falls du unbedingt schnell eine Entscheidung treffen musst, klick hier.)

Den Druck rausnehmen – wie geht das?

Entscheide dich für eine Pause in deinem Entscheidungsprozess.

Setz einen Zeitpunkt fest, bis zu dem du dich selbst von der Entscheidung entbindest.

Versuch dabei möglichst freundlich und liebevoll mit dir zu sein. Wie das geht, erfährst du hier: „Mir selbst ein guter Freund sein“.

Du kannst zum Beispiel zu dir selbst sagen: Ich lasse mir Zeit. Es ist in Ordnung, eine Pause zu machen. Ich lasse die Entscheidungsfrage jetzt für eine Weile ruhen. Frühestens am (hier kannst du das Datum einsetzen) werde ich mich wieder mit meiner Entscheidung befassen. Bis dahin versuche ich mein Leben möglichst angenehm zu gestalten.

Finde am besten sofort drei Dinge, die du während deiner Entscheidungspause verstärkt tun möchtest. Zum Beispiel: mich mit Freunden verabreden. Sport machen. Ein schönes Buch lesen. … oder was immer dein Leben schöner macht. Setz etwas davon am besten sofort um.

Und wenn deine Entscheidungssituation sich dir immer wieder aufdrängt?

Dann nimm wahr, was an Gedanken kommt. Sag sowas wie: Danke, dass ihr da seid. Ich habe euch gehört. Im Moment bin ich mit anderem beschäftigt.

Genieße deine Entscheidungspause. Die Frage nach dem Jobwechsel spielt gerade keine Rolle. Für den Moment hast du nur eine Aufgabe: Es dir gut gehen zu lassen.

Tipp 6: Stell dich der unbequemen Frage: Bin ich vielleicht das Problem?

Eine fiese Frage, aber manchmal die alles entscheidende: Bin ich vielleicht das Problem?

Eine frustrierende Jobsituation entsteht oft, wenn deine Persönlichkeit nicht zu dem Unternehmen passt. Findest du die Unternehmenskultur z. B. ganz fürchterlich? Oder kannst du dich mit den Werten, die dein Unternehmen vertritt, nicht arrangieren?

In diesen Fällen ist es sinnvoll, sich umzuorientieren. Denn Unternehmenskultur und Werte sind Punkte, die sich kaum ändern lassen. Und wenn du tagtäglich gegen deine Persönlichkeit leben musst, kann das auf Dauer zu einer großen Belastung werden.

Es kann aber auch sein, dass du deinen Arbeitsplatz als belastend empfindest, weil du mit deinem Verhalten öfter mal aneckst und in Konflikte gerätst. Du merkst es daran, wenn du das Gefühl hast, dich andauernd abstrampeln zu müssen. Wenn du mit dem, was dir wichtig ist, so gut wie nie durchkommst. Wenn du immer wieder in die gleichen Konflikte gerätst.

Dann lohnt es sich, über diese Frage nachzudenken: Ist mein Verhalten der Grund für meine Unzufriedenheit im Unternehmen?

Was ist, wenn du diese Frage mit einem „Ja, das passt“ beantwortest?

Sich der Frage „Bin ich vielleicht das Problem?“ stellen – wie geht das?

Dabei helfen dir zwei Fragen:

1. Frage: Will ich mich wirklich so verhalten?

Wenn du dich so verhalten willst, wie du es tust: prima. Dann such dir am besten einen Arbeitsplatz, wo dieses Verhalten geschätzt wird. Unternehmen sind so unterschiedlich wie Menschen. Und es gibt bestimmt auch ein Unternehmen, das deine Art schätzt.

2. Frage: Oder wünsche ich mir insgeheim, mich anders verhalten zu können, weiß aber nicht, wie das gelingen kann?

Ist es vielleicht sogar so, dass dein Arbeitsplatz richtig gut wäre, wenn du dich anders verhalten würdest? Sind deine Kollegen vielleicht ganz in Ordnung, brauchen möglicherweise nur einen etwas anderen Ton im Umgang? Oder magst du deinen Chef an sich, findest aber den Umgang in einigen Situationen etwas schwierig? Oder leidest du darunter, dass du zu impulsiv, zu zurückhaltend, zu verbissen oder was auch immer bist?

Wenn du dich gerne flexibler verhalten würdest und aus deinem gewohnten Verhalten gerne auch mal ausbrechen wollen würdest, dann lerne, wie das gehen kann. Das geht. Es ist nicht ganz leicht, aber durchaus machbar. Und es lohnt sich. Weil du es mit einem etwas veränderten Verhalten möglicherweise auch im Privatleben leichter hast, im Sportverein, im Freundeskreis oder überall, wo du Menschen begegnest.

Such dir Workshops oder Seminare, in denen es um Kommunikation und ein gelingendes Miteinander geht. Gerade in der Gruppe lässt sich das Verhaltensrepertoire am besten erweitern.

Dabei geht es übrigens wirklich nicht darum, sich zu verbiegen. Es ist eher wie mit einer Klaviertastatur. Vielleicht spielst du bis jetzt nur mit den weißen Tasten. Das führt bei manchen Musikstücken zu Missklängen. Schön wäre es doch, wenn du je nach Bedarf auch die schwarzen Tasten hinzunehmen könntest. Sodass das Miteinander leichter gelingen kann.

Tipp 7: Finde den neuen Job vor deiner Nase – welche Möglichkeiten gibt es dort, wo du bist?

Wer frustriert von seiner Arbeit ist, läuft oftmals mit Scheuklappen durch die Gegend. Sich täglich zu ärgern, führt dazu, dass man nur noch wegwill.

Es gibt aber eine Alternative, die viele übersehen, wenn sie über einen Jobwechsel nachdenken:

Ist im derzeitigen Job vielleicht mehr Veränderung möglich, als du denkst? Liegt der Jobwechsel vielleicht bereits vor deiner Nase?

Oftmals bietet sich auch beim derzeitigen Arbeitgeber die ein oder andere Möglichkeit an. Vielleicht musst du dazu aktiv werden, selbst Möglichkeiten finden und diese womöglich auch erst einmal in Gang bringen. Aber dadurch ergibt sich vielleicht etwas ganz tolles Neues.

Es gibt viele Vorteile, wenn du im gewohnten Umfeld bleibst. Du kennst die Prozesse im Unternehmen, die Branche, die Kunden, die Kollegen. Du hast den Durchblick und all das, was du in einem anderen Unternehmen erst mühsam lernen und erfahren müsstest, kennst du bereits.

Gelingt es dir, dich bei deinem jetzigen Arbeitgeber so weiterzuentwickeln, dass du wieder zufrieden bist, ist das eine echte Gewinnersituation.

Deswegen schau dir deinen derzeitigen Arbeitsplatz, dein derzeitiges Unternehmen nochmal etwas genauer an.

(Falls du nicht weißt, ob bleiben oder gehen die bessere Alternative ist, klick hier.)

Den neuen Job vor der Nase entdecken – wie geht das?

Stell dir folgende Fragen:

  • Wie könnte ich mich intern auf eine andere Stelle bewerben?
  • Wie kann ich andere Aufgaben übernehmen?
  • Wie kann ich ungeliebte Aufgaben loswerden?
  • Welche neuen Projekte könnte ich anstoßen, die meine Arbeit besser und erfüllender machen?
  • Welche neuen Ideen kann ich vielleicht einbringen, sodass mir meine Arbeit besser gefällt?

Sprich auch mit anderen über diese Fragen. Denn oftmals haben Außenstehende Ideen, auf die du nicht kommst. Sag im Freundeskreis oder in der Familie ganz offen: „Ich bin unzufrieden. Welche Ideen habt ihr, wie ich mich in meinem Job besser fühlen kann?“ Oder: „Welche Ideen hast du, wie ich mir einen neuen Aufgabenbereich erarbeiten kann?“

(Entdecke einen kreativen Weg, auf neue Ideen zu kommen, klick hier.)

Überleg auch, mit deinem Vorgesetzten über deine Entwicklungswünsche zu sprechen. Vielleicht tut sich dadurch eine neue Möglichkeit auf. Gut ist es natürlich, wenn man selbst schon eigene Ideen mitbringt. Aber du könntest evtl. auch ansprechen, dass du dich gerne mehr einbringen möchtest oder lieber andere Aufgaben übernehmen würdest. Und du könntest fragen, ob im Unternehmen vielleicht größere neue Projekte geplant sind, bei denen du mitarbeiten oder die du übernehmen könntest.

Werde aktiv. Denn du hast nichts zu verlieren. Wenn deine Alternative ohnehin der Jobwechsel ist, hast du im derzeitigen Unternehmen ja nichts mehr zu verlieren.

Tipp 8: Beende das Hin und Her deiner Entscheidung – finde heraus, wer bei deinem Jobwechsel noch mitbestimmen will 

Kennst du diese Stimmen in deinem Kopf?

An einem ätzenden Arbeitstag meldet sich eine ganz laut: „Du musst hier unbedingt weg. Was tust du dir hier an? Willst du ewig so weiterleben? Ein Jobwechsel ist mehr als überfällig.“

Oder: “Du bist schon über fünfzig. Wenn du wechseln willst, dann jetzt. Sonst ist es zu spät.”

Sofort meldet sich eine andere Stimme: „Spinnst du? Du hast so für deinen Beamtenstatus gekämpft. Und nun willst du das alles wegwerfen? Bald ist doch wieder Wochenende. Stell dich nicht so an. Das ist doch überall dasselbe. Ein Jobwechsel ist auch keine Lösung.“

Oder: “Du bist zu alt für einen Jobwechsel. Jetzt nimmt dich eh keiner mehr.”

Wir alle haben unsere inneren Stimmen. Diese Stimmen spiegeln verschiedene Anteile in uns wider. Oft ist das ganz schön anstrengend und kann gerade bei Entscheidungen eine echte Vollbremsung sein.

Die gute Nachricht: Diese Stimmen können extrem nützlich sein. Denn du kannst mit ihnen ins Gespräch kommen und entwickelst so ganz neue Ideen und Möglichkeiten.

Wie soll das gehen?

Du brauchst nur hinzuhören. Mit einer guten Anleitung ist das ganz einfach. Dann können deine Stimmen sogar zusammenarbeiten. Wie ein gut geöltes Team, das an einem Strang zieht. Trau dich und hör dir an, was deine Stimmen zu deiner Entscheidungssituation zu sagen haben.

Und wenn dein Alter ein Problem ist? Schau dir unbedingt diesen Artikel von Dr. Sibylle Tobler an: “Ich bin jetzt Mitte fünfzig …”.  Er nimmt deine Bedenken ernst und hilft dir, Stolpersteine aus demWeg zu räumen.

Den inneren Stimmen zuhören – wie geht das?

Hier habe ich eine richtig gute Anleitung für dich, wie du mit deinen inneren Stimmen ins Gespräch kommen kannst: „Selbstcoaching-Methode: das innere Team“. Es ist etwas aufwändiger (Dauer: 1–2 Stunden), lohnt sich aber wirklich. Du gewinnst an Durchblick und bekommst wichtige Impulse.

Tipp 9: Geh auf Nummer sicher und vermeide den Bestätigungsfehler

Bei der Frage „Jobwechsel: ja oder nein?“ gibt es ein Risiko, das du unbedingt vermeiden solltest.

Aber keine Sorge, das geht mit diesem Tipp ganz leicht.

Das Risiko: Wir neigen dazu, Argumente auszuwählen, die zu unseren Erwartungen passen. Wenn du also in irgendeiner Weise denkst, das ein Jobwechsel die richtige Entscheidung wäre, dann suchst du ganz automatisch Argumente und Informationen, die diese Erwartung stützen.

Du registrierst, dass es immer weniger Spaß macht zu arbeiten. Dass die Stimmung unter den Kollegen immer schlechter wird. Dass die Aufgaben schon eine ganze Weile langweilig sind.

Das Risiko: Der Tunnelblick sorgt dafür, dass du z. B. nicht wahrnimmst, dass das Unternehmen sich verändert. Und dass genau diese Entwicklung auch für dich neue Chancen bietet. Du übersiehst, dass das Klima vielleicht nur aufgrund eines bevorstehenden Projekt-Abschlusses so schlecht geworden ist. Dass sich in ein paar Wochen vielleicht schon wieder alles zum Positiven verändert haben wird. Du blendest die lustigen und vertrauten Momente im Team aus, weil sich Frust und Hektik darüber legen wie ein Schmierfilm.

Der Bestätigungsfehler sorgt dafür, dass du eine einseitige Sichtweise auf die Jobwechsel-Frage einnimmst. Für eine wohlüberlegte Entscheidung ist es extrem sinnvoll, diesen Fehler nicht zu machen.

Den Bestätigungsfehler vermeiden – wie geht das? 

Nimm einmal ganz bewusst die jeweils andere Position ein.

Führe mit dir ein Selbstgespräch. Oder such dir einen Gesprächspartner, demgegenüber du die jeweilige Position vertrittst.

Du erklärst dir selbst oder deinem Gesprächspartner, wieso es unbedingt sinnvoll und lohnenswert ist, in genau diesem Job zu verbleiben. Was dort alles richtig gut ist. Und wieso es ziemlich bescheuert wäre, genau diesen Job aufzugeben.

Und umgekehrt: In einem zweiten Gespräch erklärst du dir selbst oder deinem Gesprächspartner, wieso du dich unbedingt auf Jobsuche machen solltest und weshalb ein Jobwechsel mehr als überfällig ist.

Achte während und nach den Gesprächen darauf, wie du dich fühlst. Was passiert mit deiner Haltung zu deiner Entscheidungssituation? Was verändert sich vielleicht? Jobwechsel: ja oder nein? Hast du vielleicht neue Einblicke gewonnen?

(Falls das nicht der Punkt ist, klick hier.)

Tipp 10: Sichere die Stabilität deines Lebenshauses. Welchen Einfluss hätte deine Entscheidung auf deine 5 Säulen der Stabilität? 

Beruf ist nicht alles. Was ist mit den anderen Bereichen in deinem Leben? Wie beeinflusst deine berufliche Situation deine Gesundheit, deine Beziehungen, deine finanzielle Situation, …?

Es lohnt sich, den Status quo einmal genauer anzuschauen. Denn daran kannst du dann ablesen, wie dringlich es ist, dass du etwas veränderst.

Sichere die Stabilität deines Lebenshauses – wie geht das? 

Die fünf Säulen der Stabilität habe ich in meiner Coaching-Ausbildung kennen gelernt. Sie sind ein großartiges Instrument, um mehr Klarheit zu gewinnen. Mit ihnen findest du heraus, wie stark deine berufliche Situation deine anderen Lebensbereiche beeinflusst.

Dies sind die fünf Säulen der Stabilität:

  • Arbeit und Leistung
  • materielle Sicherheit
  • soziales Netz
  • Körper und Gesundheit
  • innere Haltung

Hier findest du eine genaue Anleitung, wie du mit den fünf Säulen der Stabilität Klarheit über dein Leben gewinnst: „Selbstcoaching-Methode: die 5 Säulen der Stabilität“.

Es lohnt sich, diese Übung ab und an zu machen. So ähnlich wie ein Gesundheits-Check beim Arzt: Ist noch alles in Ordnung? Wo lohnt es sich nachzuregulieren?

Wenn du die Übung gemacht hast, schaust du dir die einzelnen Säulen nochmal in Ruhe an.

Wenn deine berufliche Situation sich verbessern würde: Wie würde sich diese auf die anderen Säulen auswirken?

Was würde sich bei deiner materiellen Sicherheit, in deinem sozialen Netz, im Hinblick auf Körper und Gesundheit, an deiner inneren Haltung verändern?

Verändert sich deine Haltung zu deiner Entscheidung dadurch? Siehst du klarer? Wie wichtig wäre ein Jobwechsel? Und was wäre die passende Alternative zu deinem derzeitigen Job?

Tipp 11: Erlöse dich aus der Entweder-oder-Falle und entdecke weitere Optionen

Wenn du denkst: Ich habe nur zwei Möglichkeiten. Entweder ich suche in Stellenanzeigen nach einem neuen Job oder ich bleibe hier und alles bleibt so, wie es ist.

Dann hindern dich deine Scheuklappen zu sehen, was außerdem noch möglich wäre.

Was ich damit meine?

Zum Beispiel die Möglichkeit, innerbetrieblich etwas zu verändern. Vielleicht gibt es die Möglichkeit, dass du die Stelle im Unternehmen wechselst. Oder dass du andere Aufgaben bekommst. Oder dass du ungeliebte Aufgaben abgibst (Tipp 7).

Oder: Ist die Selbstständigkeit eine echte Alternative? Bevor du kategorisch „Nein“ sagst, schau dir diesen Artikel an, klick hier.

Oder: Du begibst dich auf Jobsuche, nutzt dazu aber nicht Stellenanzeigen und Jobbörsen. Sondern findest (zusätzlich) andere Wege. Du erzählst allen Freunden und Bekannten, dass du eine Stelle suchst, fährst auf einen Fachkongress oder eine Messe. Oder bewirbst dich auf ungewöhnliche Weise bei interessanten Unternehmen. Zum Beispiel mit einem Video, in dem du dich vorstellst.

Die Entweder-oder-Falle verlassen – wie geht das? 

Wer neue Möglichkeiten entdecken will, braucht etwas Abstand. Lerne neue Möglichkeiten mit dem Drehbuch-Prinzip kennen, klick hier.

Wage dich auf ungewohnte Wege. Auch, wenn es Umwege sein sollten. Vielleicht bringen sie dich an ungewohnte, neue Ziele.

Tipp 12: Bereite den Pro-und-Contra-Listen ein Ende und stell dir diese entscheidende Frage

In schwierigen Entscheidungen sind die Alternativen ähnlich gut oder schlecht. Gäbe es eine eindeutig bessere Option, dann wäre die Entscheidung nicht schwierig.

Deswegen bringen Pro-und-Contra-Listen dich auch nur selten weiter. Denn am Ende kommt raus: Beides ist gleich gut oder gleich schlecht. Wieder weißt du nicht, wie du dich entscheiden sollst.

Dabei ist die Lösung ganz einfach. Du steigst aus dem Hin und Her deiner Entscheidung aus.

Wie machst du das?

Die Amerikanerin Ruth Chang hat eine großartige Idee dazu: Orientier dich bei deinen schwierigen Entscheidungen an dem, was dir wirklich wichtig ist. An deinen Werten.

Und zwar indem du dir eine entscheidende Frage stellst.

Frag dich: Welcher Mensch will ich sein?

Mit dieser Frage orientierst du dich an deinen Werten und findest eine Entscheidung, die zu deiner Persönlichkeit passt.

Wenn du genauer wissen willst, was es mit Ruth Changs Ideen zu schwierigen Entscheidungen auf sich hat, klick hier.

Herausfinden, welcher Mensch du sein willst – wie geht das? 

Schau dir deine Entscheidungsoptionen eine nach der anderen an.

Frag dich zu jeder deiner Entscheidungsoptionen:

Will ich der Mensch sein, der diese Entscheidung trifft?

Zum Beispiel:

  • Will ich der Mann sein, der das Positive an dieser Arbeitsstelle schätzt und dort bleibt? Der Mann, der lernt, wie er genau hier zufriedener werden kann, indem er z. B. lernt, sich besser durchzusetzen?
  • Will ich die Frau sein, die sich nebenberuflich selbstständig macht? Die Frau, die den Mehraufwand auf sich nimmt, die sich traut, aus ihrem Hobby einen Beruf zu machen?
  • Will ich der Mensch sein, der sich in einem neuen, ganz anderen Unternehmen eine neue Stelle sucht? Der sich zutraut, den nächsten Karrieresprung zu machen?
  • Will ich der Mensch sein, der sich endlich seinen Traum vom eigenen Unternehmen erfüllt?
  • Will ich der Mensch sein, der ein weniger gutes Gehalt akzeptiert? Weil ich dann eine Arbeit machen kann, die mich wirklich erfüllt?

Lass die Frage „Welcher Mensch will ich sein?“ am besten ein paar Tage deinen Alltag begleiten. Stell dir immer wieder mal diese Frage. Denn so bekommst du ein gutes Gefühl dafür, was dir wirklich wichtig ist.

(Wenn dir das bei deiner Entscheidung nicht weiter hilft, klick hier.)

Und jetzt?

Wie siehst du deine Entscheidungssituation jetzt? Hast du dir ein paar Notizen gemacht? Hattest du den ein oder anderen hilfreichen Gedanken?

Für eine gute Entscheidung brauchst du nicht alle Tipps zu befolgen. Wähle zwei oder drei aus und setze dich mit ihnen auseinander. Lass dir dazu ruhig einige Tage Zeit. Denn manchmal lohnt es sich, Entscheidungen reifen zu lassen.

Eine Sache noch: Stell dich deiner Entscheidung. Lauf nicht vor ihr weg. Sitze die Situation nicht aus. Mach nicht einfach so weiter wie gehabt.

Denn dann hätte dich dieser Artikel keinen Schritt weitergebracht. Dann waren die letzten Minuten verschwendete Lebenszeit.

Nimm deinen Wunsch nach Veränderung ernst. Nimm dich ernst. Und entscheide bewusst, was du tun willst.

(Reichen dir die Tipps noch nicht? Wünscht du dir ein “Navigationssystem” für deinen Entscheidungs-Prozess? Dann lohnt sich für dich die Entscheidungs-Werkstatt. Wenn du dich fragst: “Ist das was für mich?”, klick hier.)

3 Comments on “Jobwechsel: ja oder nein? 12 Tipps für eine Entscheidung ohne Reue”

  1. Wirklich lesenswerter, hintergründiger Artikel!
    1. In meiner langjährigen Beratungspraxis haben sich allerdings Pro-und-Contra-Listen doch bewährt, weil diese den “Arbeitsspeicher” entlasten (Argument, das niedergeschrieben ist, brauche ich nicht mehr im Sinn zu halten), weil sie mit Engvertrauten reflektiert werden können (“Fällt Dir noch was ein? / Was meinst Du?”) und weil sie einen den Wald vor lauter Bäumen sehen lassen (Übersichtlichkeit): 1x oder mehrmals drüber schlafen und jedes Argument (samt Gegenargument, wo vorhanden) 1x täglich durch den Kopf und durch den Bauch gehen lassen, da merkt man sehr schnell, was wirklich sticht und kann hier die Gedanken nochmal intensivieren.
    Nicht zuletzt steht man auch schon mal unter zeitlichem Druck, weil man sich in Kürze für ein “lukratives” Angebot entscheiden muss.
    2. Nach der getroffenen Entscheidung die amerikanische Devise anwenden: Du triffst eine Entscheidung und dann sorgst Du auch dafür, dass es die Richtige wird!
    3. 12 Monate im neuen Job bleiben – kenne zahlreiche Menschen, die nach 6 Monaten am liebsten das Handtuch geschmissen hätten, aber nach 1 Jahr (Anpassungszyklus) waren Sie mega happy.

  2. Es fasziniert mich immer wieder, wenn ich lese, dass es keine richtigen und falschen Entscheidungen gibt. Das umso mehr, als der Titel dieses Blogs „keine Fehler machen“ lautet. Gute und schlechte Entscheidungen gibt es aber. Was macht bitte den Unterschied. Was sind die Kriterien für die Bewertungen „richtig/falsch“ bzw. „gut/schlecht“? Die Zielerreichung oder das kurzfristige Ergebnis meiner Entscheidungen, meine Werte? Was könnte es noch sein?
    Ich frage mich, unter welchen Bedingungen (wann) die Aussage stimmen könnte. Die Betrachtung meiner Entscheidung aus einer großen räumlichen (Wolkenbeamen und merken, dass ich nur ein winziges Staubkorn ohne jede Bedeutung bin) und zeitlichen Entfernung (Rückblick am Ende des Lebens). Auch dann relativiert sich die Bedeutung von einzelnen Entscheidungen. Kurzfristig und aus der Nähe betrachtet scheint mir diese Aussage einfach esoterischer Unsinn zu sein. Ich habe aber auch nichts gegen Esoterik, wenn sie bedeutet, dass ich Teil eines größeren Ganzen bin, Teil der Welt, die ich betrachte und dass dieser Umstand Auswirkungen auf meine Wahrnehmung meiner eigenen Position und der Welt hat. Das im Gegensatz zur Exoterik, was bedeutet, dass ich die Welt, mein Leben und auch meine Möglichkeiten von außen quasi objektiv betrachte.
    Kurzfristig ist jede Entscheidung an ihren Konsequenzen zu messen. Welche betrachte ich? Meine Gewinnmöglichkeiten oder mögliche Verluste? In komplexen, ungewissen Situationen, in denen ich nicht wissen kann, was meine Entscheidung bewirkt, scheint es sinnvoll auf Sicht zu fahren und mich nur für solche Schritte zu entscheiden, deren Konsequenzen ich absehen kann und auch bereit und in der Lage bin zu tragen. Mut sollte kein Kriterium sein. Es macht durchaus Sinn, zu fragen, was mir meine Ängste sagen. Sinn macht auch, die Schritte, für die ich mich entscheiden will, kurz zu halten. Dann können wir auch Fehler machen, aus denen ich lernen kann und die nicht meine gesamte Existenz vernichten oder massiv erschweren. Keine Fehler machen, bedeutet für mich, die besten Möglichkeiten, zu lernen, zu vereiteln und die Aufforderung dazu, macht ganz schön Druck auf mich.

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